Rückblick und Ausblick zum Jahresende: Zeitschrift „berufsbildung“ thematisiert aktuelle Innovationen und Rückschläge, Buch widmet sich der Geschichte beruflicher Bildung

Gerade noch rechtzeitig vor dem Jahresende sind zwei neue Publikationen aus dem ibp erschienen, die sich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beruflicher Bildung befassen. Wir wünschen verbunden damit allen unseren Partner*innen und Studiereenden eine besinnliche Zeit zwischen den Jahren und einen guten Start ins Neue Jahr 2021!

Viele Mitarbeitende am Institut für Berufspädagogik haben sich mit Beiträgen an dem aktuellen Heft der Zeitschrift „Berufsbildung“ beteiligt. Der Themenschwerpunkt „Innovationen und Rückschläge der beruflichen Bildung“ ist dem kürzlich verstorbenen Herausgeber Prof. Dr. Josef Rützel von der TU Darmstadt gewidmet und gibt Einblicke in Theorie und Praxis beruflicher Bildung bezogen auf Berufsorientierung, Lehrerfortbildung, Wirkungen der Digitalisierung auf die Praxis in den Schulen bis zur Auswirkung des aktualisierten Berufsbildungsgesetzes auf die Rolle der Prüfungsausschüsse bei den Kammern. Publiziert sind auch Interviews mit Ausbildungsleitungen aus der Rostocker Region und ein Beitrag zu Megatrends in der Transformationsgesellschaft.  Es finden sich Artikel von: Dr. Claudia Kalisch, Dr. Melanie Hoppe, Stephanie Dahn, Dr. Philipp Struck, Silke Gajek und Prof. Dr. Franz Kaiser, der das Heft als Beiratsmitglied betreut hat.

Das Inhaltsverzeichnis finden sie hier.

 

Fast zeitgleich ist der Band zur historischen Berufsbildungsforschung ebenfalls beim EUSL-Verlag erschienen.  

Basierend auf einer Tagung der Herausgeber im September 2019 zu „Retrospektiven, Perspektiven & Synergien einer Historischen Berufsbildungs- und Wissenschaftsforschung“ an der Universität Rostock, entfaltet sich hier die Bandbreite der historischen Berufsbildungsforschung. Der Band vereint durch Beiträge namhafter Berufsbildungsforscher*innen paradigmatische, mal stärker biografischen Zugänge sowie systemisch-gesellschaftspolitische Perspektiven und schließlich Analysen zur Genese der Wissenschaftsdisziplin. In den Beiträgen wird dem Einfluss von Einzelpersönlichkeiten und Forschungsparadigmen ebenso wie dem von Bildungssystemen am Beispiel der DDR, Skandinaviens und der bundesdeutschen Bildungspolitik nachgegangen. Vereint sind sowohl Beiträge zur Entstehung der Berufs- und Wirtschaftspädagogik, zur Rekonstruktion der Benachteiligtenförderung, Soziökonomie, Pflegedidaktik und Frauenforschung als auch Analysen berufsspezifischer Betrachtungen am Beispiel des Druckgewerbes, der Offiziere und der Ausbilder*innen.

Da jeder Wissenschaftsdisziplin ein Bewusstsein ihrer Geschichte und die Kenntnis ihrer Vielfalt, Paradigmen und Entwicklungsmöglichkeiten hilft, können Studierende und Forschende nur auf dieser Grundlage ihr spezifisches Potential, Wissen und Handlungsrepertoire entfalten. Dabei ist Geschichtsschreibung und historische Berufsbildungsforschung immer zugleich selbst gefangen in ihrer je eigenen Zeit, beschränkt durch die Perspektiven der Personen, die sich an dem Rückblick beteiligen. Das macht Geschichte auch immer zur Geschichte der Herrschenden, die eine spezifische Perspektive und die mit ihr verbundene Forschung schreibend tradieren. Deshalb ist Vielfalt für die historische Berufsbildungsforschung so wertvoll, weil sie sich gegen verengte, eindimensionale Retrospektive stellt, gewissermaßen in die Ritzen und Fugen der Zeit schauen lässt. Der vorliegende Band ist der Darstellung der Vielfalt historischer Berufsbildungsforschung gewidmet und enthält auch zwei Beiträge, die auf studentischen Qualifizierungsarbeiten an der Universität Rostock beruhen.

 

Zur Bestellung des Bandes folgen Sie hier.

 

Inhaltsverzeichnis:

Grußwort des Dekans der Philosophischen Fakultät der Universität Rostock, Prof. Dr. Hillard von Thiessen, im Kontext der 600jährigen Bestehens der Universität

Franz Kaiser
Die Klaviatur historischer Berufsbildungsforschung
Eine Einleitung und Einblicke in die Tonarten der versammelten Beiträge

Zur Entwicklung der Wissenschaftsdisziplin

Philipp Gonon
Dilettantismus als Dispositiv
Zur disziplinären Entwicklung historischer Berufsbildungsforschung

Franz Kaiser
Akademisierung der beruflichen Lehrkräfte und die Genese der Berufsbildungswissenschaft
Ein historischer Ländervergleich von Schweden, Finnland und Deutschland

Mathias Götzl, Patrick Geiser & Niklas Müller
NETZWERK-BWP
Zur Entwicklung der Berufs- und Wirtschaftspädagogik als wissenschaftliche Disziplin

Christian Steib und Robert Jahn
Einführungen in die Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Eine Analyse der Entstehung von Lehrbüchern im Kontext der Institutionalisierung der Disziplin

Roswitha Ertl-Schmuck, Anja Walter
Pflegedidaktik als Disziplin – Gegenstand und Kommunikationszusammenhänge

Forschungsparadigmen und Wandel wissenschaftlicher Arbeit

Marianne Friese
Bildungskonzepte und berufliche Bildung für Arbeiterinnen im 19. Jahrhundert
Kontroversen der Frauenbewegungen und berufspädagogische Diskurse

Anke Bahl
Ausbildung als Taskscape
Eine anthropologisch-praxeologische Perspektivierung beruflich-betrieblichen Lernens

Günter Kutscha
Emanzipatorische und funktionalistische Berufsbildungstheorie bei Herwig Blankertz und Jürgen Zabeck
Paradigmatischer Rückblick und weiterführende Theorieansätze im Spannungsfeld von Mündigkeit und Funktionalität

Georg Tafner
Die sozioökonomischen Dimensionen der Wirtschaftspädagogik
Skizzierung historischer Meilensteine in Österreich unter Berücksichtigung deutscher Entwicklungen

Markus Linten
Wie haben Peer Review, Open Access und Leistungsmessung die Publikationslandschaft in der Berufsbildung verändert?
Eine deskriptive Analyse der letzten 20 Jahre auf Basis des VET Repository

Gesellschaftspolitische Entwicklungen und Debatten

Karin Büchter
Gleichwertigkeit allgemeiner und beruflicher Bildung als Demokratisierungsprojekt
Historische Kontinuität und Grenzen einer Forderung

Dietmar Heisler & Petra Lippegaus
Reparaturbetrieb, Inklusion und Fachkräftesicherung
Transformation der Benachteiligtenförderung in Deutschland

Frank Ragutt
Berufsbildungsforschung in der bildungspolitischen Reformkontroverse
Der Gesprächskreis für Fragen der Beruflichen Bildung, 1967 bis 1970

Volkmar Herkner
Forschungsperspektiven zur DDR-Berufsbildung
Ein Aufriss

Hannah Frind & Franz Kaiser
„Ich wollte gerne praktische Erfahrungen haben, kein reines Abitur“
Die Berufsausbildung mit Abitur in der DDR aus der Perspektive von Zeitzeugen

Biografisch-orientierte historische Berufsbildungsforschung

Jens Brachmann
»Mechanische Nebenbeschäfftigungen«
Johann Christoph Friedrich GutsMuths als Begründer der Technologiedidaktik aus dem Geist des pädagogischen Utilitarismus

Alan Schulz
Friedrich Feld und der Nationalsozialismus

Friedhelm Schütte
Disziplingeschichte via Biographieforschung?
Berufs- und Wirtschaftspädagogik zwischen Philosophie und Soziologie. Beispiel: Heinrich Abel

Berufsfeldbezogene Studien

Harry Neß
Historische Strukturmuster im Prozess der Professionalisierung
Ein langer Blick zurück am Beispiel der Buchdrucker

Esther Berner
Der Offizier: Kontinuitäten und Wandel eines Berufsbildes


Zurück zu allen Meldungen